Neuseeland Nr. 2 – endlich alleine

Weg von Auckland habe ich für 2 Nächte in Christchurch in einem ehemaligen Gefängnis übernachtet. Ich habe da ein 2er-Schlafsaal für Frauen gewählt. Meine Zellengenossin war eine Holländerin aus Den Haag. Ich kam ziemlich spät dort an und mit Nachtessen und so brauchte ich soviel Zeit, dass ich mich nicht mehr gross mit ihr unterhalten konnte. Sie ging am nächsten Tag auf eine Tour, so konnte ich meinen Tag ganz für mich gestalten.

Irgendwie hatte ich mir gar nicht so viele Gedanken gemacht, was ich in Christchurch überhaupt sehen wollte. Ich hatte mir ein paar Dinge rausgeschrieben, aber konkret geplant hatte ich nichts und daher auch keine Übersicht, wo was von den Sachen ist, die ich machen wollte.

Begonnen habe ich dann mit dem Christchurch Sunday Market. Er wurde auf der Website sehr farbenfroh beschrieben und ich stellte ihn mit als riesigen Bauernmakt in einer Mischung mit Flohmarktständen vor, auf dem ich mich sicher 2-3h rumlümmeln könnte.

Vielleicht lag es am Wetter oder die Neuseeländer verstehen unter grossem Markt etwas anderes als ich, aber es hatte vielleicht 20-25 Stände, die ich in einer 1\4h gesehen hatte. Christchurch hatte sich am Sonntagmorgen wettermäßig nicht gerade von seiner besten Seite gezeigt, konkret war es arschkalt und windig – was aber die Neuseeländer nicht davon abhielt, in kurzen Hosen und Flipflops an den Markt zu gehen. Ich habe aber Hühnerhaut an den Beinen gesehen – ich schwör!

Ich zumindest beschloss, irgendwohin zu gehen, wo es warm ist, ein Museum. Das internationale Antarctic-Museum kam da sehr gelegen. Halb so wild, dass es am anderen Ende der Stadt lag, oder fast…für etwas gibt’s Uber (übrigens alle Uber-Fahrer , mit denen ich gesprochen habe, machen das Teilzeit, studieren nebenbei oder einer hat noch eine Fahrschule…Ah ja, Story am Rande: bis vor kurzem mussten die Neuseeländer keine Autofahrprüfung machen. Die mussten lediglich mit einem Elternteil auf dem Amt vorbeigehen und der Elternteil musste bezeugen, dass er/sie dem Kind fahren beigebracht hat, das wars. Aber die Neuseeländer sind überzeugt, dass sie alle super Auto fahren und nur Ausländer und Migranten an Unfällen schuld sind – es gibt unterdessen eine Studie, die dies widerlegt. Neu müssen die Jungen jetzt eine theoretische und praktische Fahrprüfung ablegen).

Wo war ich? ….ach ja, beim Museum am anderen Ende und Uberfahrten. Ich wollte mit dem Bus gehen, ehrlich…aber wie schon erwähnt….arschkalt und irgendwie hab ich nicht geschnallt, auf welche Seite ich jetzt stehen muss und warten wollte ich auch nicht mehr.

Das Museum ist wirklich sehr interessant, aber 59NZ$ waren doch ein wenig zu viel dafür. Trotzdem würde ich es gerade Familien mit Kindern sehr empfehlen. Hätte ich etwas besser geplant, hätte ich es erst heute gemacht, weil ich eh dort in der Nähe mein Auto holen musste.

Am Nachmittag kam endlich die Sonne und damit auch die Wärme. Gutes Wetter für einen Spaziergang durchs Zentrum, in dem übrigens fast alle Läden offen hatten. Zuerst habe ich mal den Foodmarket angesteuert, viele tolle Stände mit Essen aus verschiedenen Ländern. Quirlige angenehme Atmosphäre.

Danach bin ich nur noch etwas rumspaziert, hab mir eine Hop On – Hop Off-Tour mit dem Tram gegönnt und hab ein bisschen Zeit am Fluss (mit dem klarsten Wasser, wo man sogar Aale sieht) verbracht. Zurück im Jailhouse habe ich mich noch auf eine Joggingrunde gemacht. Leider hat meine Joggingapp gestreikt wegen schlechtem GPS-Empfang, ich hätte zu gerne am Schluss der Reise auch noch eine Erinnerung via dieser App.

Bis zum Abendessen war dann auch meine Zellengenossin zurück und wir haben uns ein wenig ausgetauscht. Sie ist für 5 Monate unterwegs, hat aber ihre Reise auch erst begonnen und ist jetzt heute per Bus nach Queenstown weiter.

Ich hab heute endlich mein Auto in Empfang genommen. Das mit dem links fahren war nicht mehr wirklich ein Problem, nachdem ich jetzt schon 1.5 Wochen als Mitfahrerin bei verschiedenen Leuten dabei war. Aber wie oft ich den Scheibenwischer betätigt habe, weil ich den Blinker setzen wollte, kann ich gar nicht sagen ;).

Ich bin nun auf dem Weg nach Dunedin, da werde ich 3 Nächte bleiben.

Das Alleinsein ist wirklich ok, aber manchmal fühlt man sich auch einsam…. Aber das fühlt man sich hin und wieder ja auch zu zweit. Ich geniesse es zumindest, das zu machen oder eben nicht zu machen, wozu ich gerade Lust habe.

Neuseeland Nr. 1 – angekommen

Endlich bin ich angekommen in dem Land meiner “abenteuerlichen” Reise. Viele werden sich denken “man, was macht die für ein Theater um diese Reise. Sie ist nicht die erste, die durch Neuseeland reist und auch nicht die einzige, die das alleine macht, also wo ist das Problem?”

Es gibt kein Problem, aber ich war in meinem Leben noch nie alleine reisen, ich bin 55, fühle mich diesbezüglich uralt, weil ich überall nur Blogs und Instastories von jungen oder zumindest jüngeren Leuten sehe. Irgendwie würde ich mich natürlich freuen, wenn ich auch Menschen in meinem Alter kennenlerne. Nichts desto Trotz kann ich aber sagen, dass die ganz wenigen Begegnungen, die ich bereits hatte (“is this the Boat to Auckland” – “yes, I hope it is” mit einem big smile) sehr nett waren. Die Leute versuchen zumindest, mich und mein Schweizer-Englisch zu verstehen. Ich selber verstehe sie wesentlich besser als die Asiaten mit ihrem Singsang-Englisch, das für mich so komplett unverständlich betont wird.

Gestern nun bin ich in Auckland – Devonport angekommen. Ein Freund von mir wohnt da, ich habe ihn seit sicher 20 Jahren nicht gesehen und es freute mich riesig, als ich per Zufall sah, dass er hier wohnt. Natürlich kann ich bei ihm im Haus schlafen.

Allerdings blieb nicht mehr viel mehr Zeit, als Devenport zu erkunden und ein wenig zu quatschen, einander aufzudaten, was so geschehen ist. Devenport ist ein hübsches kleines Städchen, das von vielen viktorianischen Häusern gesäumt ist. Würde ich in Auckland wohnen wollen, wäre dies eine der Gegenden meiner Wahl. Man ist mir der Fähre in weniger als 10min im Business District von Auckland, ist von überall her in Kürze am Strand und das ganze Städtchen wirkt freundlich und gemütlch.

Wie mein Freund aus Auckland meint, kann man an einem Tag in Auckland die ganzen 4 Jahreszeiten erleben, am Morgen noch herbstlich, eher etwas kühl, dann Regen und sehr frisch, nun am Nachmittag scheint die Sonne und es ist wunderbar warm, und überall blühen frühlingshaft die Blüten.

Aber der Wind hier würde mir vermutlich schnell mal auf den Geist gehen. Entweder man kämpft sich dagegen und hat dafür die Haare frisch geföhnt, oder man geht mit dem Wind, blind tapsend, weil es einen die ganzen Haare ins Gesicht flattert. Und meine Haare sind leider noch zu kurz, um sie elegant nach hinten zu binden.

Morgen Nachmittag fliege ich weiter nach Christchurch, 2 Tage noch ohne Auto. Da freu ich mich vor allem auf die Übernachtung in einem alten Gefängnis. Bin mal gespannt und werde dann auf jeden Fall berichten.

das erste Kapitel

Das erste Kapitel meiner Reise neigt sich dem Ende zu. Wir werden morgen noch den letzten gemeinsamen Tag miteinander verbringen, danach gehen wir unserer eigenen Wege. Sinira und ihr Freund fliegen am Morgen des 1. Januars nach Jakarta, ich fliege am Abend nach Auckland – weitere 9h in der wunderbaren Businessclass der Singapur Airline.

Gestern haben wir einen Beachday gemacht, das hat richtig gut getan, einfach ein bisschen am Strand liegen und die Sonne und das Meer geniessen.

Heute sind wir nach Pulau Ubin, eine Insel, von der gesagt wird, dass sie noch das ursprüngliche Singapur von vor 100 Jahren zeigt. Hmm, ob das so stimmt, wenn ganze Touristenströme dahin pilgern und mit schlecht gewarteten Bikes herumradeln, darüber kann man diskutieren. Aber es hat auf jeden Fall viel Natur, tolle Mangrovenbäume, viele verschiedene Vögel und gemäss Internet soll es auch Wildscheine haben. Die haben wir aber nicht gesehen.

Singapur ist eine tolle Stadt, die mehr zu bieten hat, als nur Grossstadtjungel. Trotzdem bin ich jetzt aber froh, dass es eine Station weitergeht.

Eine Woche lang irgendwo zu sein, hat hier jetzt gepasst, weil die Tochter hier war und ich die Zeit mit ihr und ihrem Freund wirklich sehr genossen habe, aber für meine weitere Reise ist das eines der Learnings: 1 Woche am gleichen Ort ist zu lange. Ich denke, so 2-3 Tage, wie ich das auch in etwa geplant habe, müsste vermutlich passen. Ich lass mich überraschen.

Übrigens Silvester verbringen wir im Cats-Musical und hoffen, dass wir danach einen tollen Platz mit Blick auf das Feuerwerk ergattern können.

Jungle-Feeling

Wir hatten beschlossen, heute Singapur von einer anderen Seite zu sehen. Weg von der Grossstadt, mitten in den Jungle #oderso.
Natürlich wollten wir nicht nur eine Stunde oder so unterwegs sein, sondern wir wünschten uns so etwa das Feeling eines richtigen #Trails, einfach in Klein.

Die 4h- Wanderung schien uns da genau das richtige und hey, echt? 4h für 11km… normalerweise rechnet man für einen zügigen Spaziergang 1h pro 5km. Da werden wir diese 11km doch locker in 2.5h bewältigen.

Spoileralarm: wir brauchten inkl. Verpflegungspause 5h und Sinira und ich waren danach nudelfertig.

Im Grossen ganzen war die Wanderung ziemlich locker zu bewältigen, die Wege waren meist angenehm zu gehen, keine unüberbrückbaren Steigungen.

Trotzdem: Die Hitze, doch ein paar wenige nahrhafte Steigungen und einige etwas glitschige Wege verlangsamten unser Tempo, so dass diese 4h rasend schnell vergingen. Die Beine wurden müder, die Füsse schwerer und auch wenn wir am Schluss noch mit Begegnungen mit Waranen und Schildkröten beglückt wurden, freuten wir uns auf unser Hostelzimmer mit Dusche und darauf, einfach die Füsse hochzulegen.

Als Belohnung haben wir uns am Abend ein leckeres Korean BBQ gegönnt. Ein toller Tag, der nun zu Ende geht.

Singapur

Meine Tochter Sinira nennt Singapur das New York von Asien. Es ist durchaus vergleichbar, auf jeden Fall, was die Preise angeht. Verglichen mit anderen asiatischen Ländern ist Singapur extrem teuer.

Mir scheint die Stadt nicht ganz so hektisch wie New York, bzw. deren Bewohner deutlich weniger gehetzt und freundlicher.

Dank Siniras Kommunikationsfreudigkeit erfahren wir während den Grab-Fahrten (vergleichbar mit Uber) sehr viel über Land und Leute, weil sie stets die Fahrer ausfragt. Die heutige Frage des Tages war “Wie lebt es sich als Kind in Singapur?” Der Fahrer ist in Singapur geboren und aufgewachsen. Die Antwort blieb er uns mehrheitlich schuldig, er musste so über die Frage lachen, meinte aber noch, für Kinder hätte es nicht sehr viel in Singapur.

Singapur wollte uns ja erst beinahe den Spass verderben. 3 Tage vor Ankunft hatte uns unser AirBnb-Host das Appartement gecancelt, so dass wir noch kurzfristig auf die Schnelle etwas anderes finden mussten – über Weihnachten und Neujahr, zu einem bezahlbaren Preis.

Wir sind jetzt in einer Mischung zwischen Hotel und Hostel, Einzelräume ohne Fenster mit Gemeinschaftsduschen/-WC. Durchaus zahlbar und ok, relativ zentral, ruhig und sauber.

Wenn man sich für Singapur interessiert und durch verschiedene Blogs und Reiseempfehlungen durchliest, wird immer wieder erwähnt, wie gut man in Singapur essen kann. Wir können das nur bestätigen. Das Essen ist wirklich sehr lecker, egal, ob beim Koreaner oder Burgerladen um die Ecke oder beim authentischen Arabfood im arabischen Viertel. Wir können uns bis jetzt nicht beklagen.

Was mir an Singapur bis jetzt am meisten gefällt, sind die verschiedenen architektonischen Baustiele, die kleinen Häuser, 2-3 stöckig, von weiss bis sehr bunt, an die alte Kolonialzeit erinnernd, neben den neuen modernen Wolkenkratzer, von denen jeder anders aussieht. Auch das unterscheidet Singapur von New York, die Skyline ist in der Architektur wunderbar vielfältig(und ich gebe zu, ich verstehe nichts davon).

Mir gefällt Singapur sehr gut. Unter anderem auch wegen Little India, den Arabviertel und der China Town. Die Stadt ist mit diesen verschiedenen Stadtteilen schön bunt.

Endlich geht es los

Der Rucksack ist gepackt, das Katzenfutter eingepackt – nein, natürlich nicht in den Rucksack – wo denkt ihr hin. Der Kater geht zu einer Freundin. Er wird es nicht wirklich toll finden, besonders die Fahrt dahin. Aber er wird dort geliebt und gut versorgt. Es ist die beste Alternative zu “zu Hause mit mir”.

Alle fragen mich, ob ich nervös sei. Meine allererste Allein-Allein-Reise. Meine Freundin nennt mich mutig. Ich denke nicht, dass ich mutig bin, und ja, ich bin nervös, irgendwie. Mein Bauch weiss noch nicht so recht, ob er Waschmaschine spielen soll oder nicht.

Ist ja auch so, dass ich nicht gleich ins kalte Wasser geworfen werde. Es beginnt ja zuerst mal mit einer Woche Singapur mit ihnen hier. Freu mich sehr, sie zu sehen. Ein bisschen Action gab es ja bereits: Der Airbnb-Host in Singapur hat uns gestern die Unterkunft gecancelt. Sinira hat dann ein wenig mit Airbnb gestritten diskutiert und so noch etwas mehr Entschädigung heraushandeln können, so können wir uns eine annähernd adäquate Alternative buchen. Nicht ganz einfach so kurz vor den Feiertagen. Ich flieg jetzt einfach mal los und lass mich überraschen, wo ich dann schlafen werde.

Ja, es geht jetzt los…

Die grosse Reise

In gut einem Monat geht es los. Meine erste Allein-allein-Reise. Ich bin noch nie im Leben alleine herumgereist. Immer war irgendjemand mit dabei, eine Freundin, der Mann, die Tochter – irgendjemand kam immer mit.

Und nun endlich wage ich es, alleine in die grosse weite Welt.

Man könnte ja meinen, ich versuche es zuerst mal mit einer kurzen Reise, einer Städtereise zum Beispiel. Wo die Garantie besteht, dass einem sicher nie langweilig wird.

Aber nein, ich starte gleich gross und lange. Ich bereise Neuseeland für 6 Wochen – alleine – mit dem Auto. Ich weiss zwar nicht genau, was mich geritten hat, als ich diesen Entschluss gefasst habe, aber ich freue mich drauf. Zumindest ein Teil von mir freut sich darauf. Der andere ist recht nervös. Fragen verdränge ich gekonnt, wie z.B.:

  • Kriege ich das mit dem Autofahren hin?
  • Klappt das auch mit den unverplanten Zeiten?
  • Werde ich mich einsam fühlen?
  • Was mache ich mit dieser Einsamkeit?

Im Moment studiere ich noch, ob ich den Rucksack oder einen Koffer mitnehmen soll. Den Rucksack wollte ich mitnehmen, weil ich ursprünglich mit dem Bus durch Neuseeland reisen wollte. Nun habe ich mir ein Auto gemietet und könnte gut auch einen Koffer mitnehmen. Ich werde mich wohl in letzter Minute entscheiden – vermutlich dann, wenn kein Platz mehr im Rucksack ist und noch ganz viel Zeug eingepackt werden müsste.

Ich freu mich – wirklich, ich freu mich auf eine Reise mit mir alleine.

Hier die Route: